Mitten durch Deutschland

Vom 3. bis zum 10. Mai nahm ich mit einem Kumpel eine Woche an einer organisierten Motorradtour teil. Diese wurde von der Zeitschrift „Motorrad & Reisen“ organisiert und hatte den Titel „Mitten durch Deutschland“, Ausgangs- und Endpunkt war im Harz.

Kurz vor der Tour traf dann noch das bestellte Com-System (Nolan n-com Multi M5) ein, eigentlich wollte ich mich allerdings erst nach der Tour darum kümmern. Irgendwie lag es aber dann so dämlich auf dem Tisch herum, dass die Neugier überwog und der Trockenversuch, das Zusammenbauen aller Teile und Funktionstest, äußerst zufriedenstellend ausfiel. Also noch schnell den Kumpel angerufen und ihn ebenfalls zum Einbau seines mittlerweile ebenfalls eingetroffenen n-com B5 in seinen Nolan Helm bewegt und uns dann zum Testen verabredet. Das klappte derart gut, dass wir uns dann entschlossen, das System schon während der Tour zu nutzen. Kurz vorweg genommen: eine wirklich sehr gute Entscheidung!

Tag 1
Anreise von Nordenham nach Herzberg im Harz, 324 km. Wir waren sehr gut durchgekommen, konnten tolle Panoramen genießen, machten zwei Pausen. Wir wählten als Route eine westliche via Weserbergland.

Nach dem Eintreffen auch aller anderen Teilnehmer im Hotel „Landhaus Schulze“ gab es dann die Gruppeneinteilung und ein gutes Abendessen, wo man dann schon mal die ersten Kontakte knüpfte und sich kennen lernte. Wir schlossen uns der „langsamsten“ Gruppe an, die inklusive des Guides dann aus neun Motorrädern bestand.

Sehr gut die Erkenntnisse zum Intercom System, warum haben wir das erst jetzt? Toll das herausgefundene Feature der GPS-Konferenz, wo der Gegensprechpartner die Navi-gationsansagen des Führenden mit übertragen bekommt.

Tag 2
Frühstück ab 8 Uhr, dann packen und Bikes besetzen und so gegen 9.30 Uhr ging es dann los. Unser Guide Dani(ela) sammelte ihre Gruppe und die Räder rollten.
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Plan war es, von Herzberg nach Masserberg am Rennsteig zu fahren. Es wurden 268 km, ganz toll über den Kyffhäuser durch den Harz und dann Einfahrt in den Thüringer Wald. Herrliche Kurven, was will das Motorradfahrerherz mehr?

Wir bezogen das Hotel „Rennsteig“ in Masserberg, welches ich schon von einer Fliegerkur 1997 her kannte. So viel hatte sich tatsächlich nicht verändert, ich erkannte einiges wieder. Mittlerweile hat sich hier ein neuer Einnahmeschwerpunkt ergeben, es ist tatsächlich ein gutes Bikerhotel. Die Motorräder standen entweder draußen vor dem Hotel (war ein tolles Panorama) oder in zwei großen Garagen. Hier blieben wir für zwei Nächte.
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Tag 3
Von Masserberg nach Masserberg, quer durch das Schiefergebirge und Thüringer Wald, 264 herrliche, kurvenreiche und vertikale Kilometer (größte Steigung 19% auf 1,5 Kilometer Länge). Hat wirklich Spaß gemacht, kurz vor dem Ende fingen wir uns dann noch ein paar Regentropfen ein, was allerdings nicht besonders schlimm war.
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Tag 4
Von Masserberg über den Steigerwald in die Hohenlohe (Schwäbische Toskana) und in den Odenwald, 243 km meistens herrliche Strecke, manchmal allerdings konnte man über den Straßenzustand wirklich nur noch den Kopf schütteln (wofür zahlen wir eigentlich so viele Steuern?). Die Einfahrt in den Odenwald hat richtig Spaß gemacht. Tolle Land-schaften und Panoramen, herrliche Kurvenswings. Mein Kumpel hatte auch mächtig Spaß, auch wenn er an Ende doch ziemlich geschafft war. Unser COM System funktionierte 1a.

Unterkunft diesmal im Hotel „Lärmfeuer“, ein reinrassiges Bikerhotel. Sehr familiär, die Betreiber fahren auch selbst. Tolle Aufnahme der ganzen Truppe und mächtig viel Benzingespräche beim und nach dem opulenten Abendessen. Auch hier verblieben wir für zwei Nächte.
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Tag 5
Rundreise durch den Spessart, Odenwald und die Rhön. Was für ein herrlicher Tag, derart tolle Panoramen und Landschaften und wirklich tolle, teilweise auch sehr fordernde Kurven. Insgesamt 238 km Rundfahrt. Nun gab es erstmals Probleme mit dem Com-System, mein Kumpel konnte mich nach ca. einer Stunde zuerst immer leiser und dann gar nicht mehr hören. Wir vermuteten nachlassende Akkus und steckten die Systeme über Nacht dann erstmal zum Aufladen ans Netz.
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Tag 6
Tatsächlich, die Com-Systeme verstehen sich wieder, evtl. doch nachlassende Akkus?

Vom Odenwald ging es nun zurück in den Harz, genauer in den Kyffhäuser, 351 km. Viel Strecke gemacht, dabei trotzdem auch noch sehr tolle Routenabschnitte erlebt. Mit dem Hotel „Residenz“ ein wirklich super Hotel in Bad Frankenhausen erwischt.

Übrigens: einen schiefen Turm hat nicht nur Pisa, auch Bad Frankenhausen kann damit dienen.
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Aber erneut nach ca. einer Stunde wieder erst leiser werdend und schließlich gar keine Kommunikation mehr.

Beim letzten gemeinsamen Abendessen dann hatte ich wohl irgend einen Mist gegessen, Ergebnis war Durchfall und Magengrummeln. Trotzdem noch sehr gute Benzingespräche gehabt.

Tag 7
Rundreise im Harz, 190 km. Immer noch unklaren Magen, schaun mer mol.

Nach dem ausgiebigen Frühstück Abschied von der Gruppe im Hotel, jeder zieht seines Weges. Das offizielle Ende der gebuchten und organisierten Tour. Unser Tourguide Dani war excellent, vor allem konnte ich immer wieder bewundern, mit welch einer Sicherheit sie die Kurven anging und fuhr… Das möchte ich so auch mal können. Aber sie fährt ja auch über 20.000 Kilometer im Jahr auf dem Motorrad, das gibt halt die notwendige Erfahrung.

Da wir Mitte Juni wieder in Bad Frankenhausen sind und ich dann für eine kleine Gruppe den Tourguide mime, kam uns die Idee, doch mal den Harz zu erkunden und eine schöne Route für die Gruppe im Juni zu finden. Und so führte uns unser Weg über eine wirklich tolle Strecke nach Quedlinburg, wo wir eine kurze Rast machten und einen Regenschauer durchließen. Quedlinburg hat eine wirklich schöne Altstadt.

Dann ging das Drama los, auf dem Weg nach Wernigerode eine Umleitung nach der anderen und Wernigerode selbst hat eine Strassenführung zum Abgewöhnen. Kurze Rast an einer Tanke, dann bloß schnell raus aus dem Kaff.

Letzter Teil zurück bis nach Herzberg war wieder echt super. Mit dem Hotel „Harzer Hof“ hatten wir dann auch ein gutes Hotel gefunden, die Pferde konnten in einem „Stall“ trocken untergestellt werden. Kurz vor Erreichen des Hotels zweimal in einen kräftigen Regenschauer gekommen, Kleidung war gut, die Nässe blieb draußen.
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Tag 8
Die Heimreise, wir nahmen die Hinreise in umgekehrter Richtung. Zumindest war dies der Plan, aber das Garmin 340 kann leider eine vorhandene Route nicht einfach um-drehen. Also nur das Endziel „Zu Hause“ eingegeben und mit den üblichen Vermeidungen hat das Navi dann eine wirklich tolle Route gefunden, 316 km. Wetter war toll und in Elsfleth gab es dann noch das obligatorische Spagetti-Eis, bevor wir dann wieder in Nordenham die Pferde in den Stall stellen konnten.
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Fazit
Gesamtstrecke 2194 km, 81,55 Liter Kraftstoff verbraucht, macht einen Durchschnitts-verbrauch von 3,72 Liter.

Eine gebuchte, organisierte Tour mit dem Motorrad ist toll, man braucht sich um wirklich nichts zu kümmern, die Hotels sind gebucht, die Routen ausgeplant und man lernt wirklich tolle Leute kennen.

Aber es gibt auch Nachteile, wie etwa die Vernachlässigung des touristischen Aspektes. Mal eben ein tolles Panorama, eine Landschaft oder eine gute Szene / Impression auf Speicherchip zu bannen ist nicht möglich, denn wenn die Truppe fährt, dann fährt sie bis zum nächsten geplanten Stop. Das muss man wissen!

Will man eher touristisch unterwegs sein und viele Bilder bannen, dann muss man das halt alles selbst organisieren und planen und ist dann dafür freier in seiner Fahrtgestaltung.

Meinem Kumpel und mir hat diese Woche jedenfalls jede Menge Spaß gemacht und wir haben dabei auch eine Menge gelernt.

Unser Com-Problem hatte sich dann einige Tage später auch geklärt: mein Schwanenhals-mikrofon war defekt. Ich konnte das mittels eines weiteren beiliegenden Mikrofones (gedacht für Integralhelme) testen und so eindeutig den Fehler identifizieren. Mittlerweile ist das Mikrofon anstandslos und völlig unbürokratisch, vor allem aber sehr schnell, durch den Händler ausgetauscht worden.

Das n-com System B5 / M5 erwies sich als wirklicher Glücksgriff und ist sehr tauglich. Man gewöhnt sich sehr schnell daran und kann sich gar nicht mehr vorstellen, ohne so ein System zu fahren. Mein M5 habe ich an meinem HJC IS max II hinten angebracht, keine Windgeräusche und da es genau auf der Längsachse sitzt ist auch kein Gewichts-unterschied einer Helmseite vorhanden. Das mittels Bluetooth gekoppelte Fernbedienteil ist ein weiterer Aspekt, der mich genau dieses System auswählen ließ. Ich habe die Fernbedienung mittels Klett an einer Platte am Lenker angebracht und kann ohne die Hand vom Lenker zu nehmen, das Com-System steuern. Zur Verfügung steht Intercom, Bike-to-Bike, Radio, Navi, Telefon und MP3-Player. Und das funktioniert erstaunlich gut. Auch die Geräuschdämpfung ist genial, selbst bei sehr hohem Tempo konnten wir uns noch gut unterhalten.

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Die neuen Gefahren…

Heute konnte / durfte / musste ich es selbst mit ansehen: Da lenkte jemand sein Auto aufgrund von Ablenkung in die Leitplanke einer Autobahn.

Ich beobachtete das Verhalten im vor mir fahrenden Wagen schon etwas länger, konnte immer wieder sehen, wie anscheinend eine ausgiebige Kommunikation mittels Messenger auf dem Smartphone stattfand. Nach jeder Eingabe wurde dann mal wieder kurz aufgeblickt und der Kurs des Wagens korrigiert und das Lagebild aktualisiert. Irgendwie erinnerte der Fahrstil an Volltrunkenheit.

Naja, und so kam es dann, dass, wir waren mittlerweile auf der linken Fahrspur beim Überholen mehrerer LKW, ein anderer Fahrer sich erdreistete ebenfalls überholen zu wollen und vor dem Smartphone-Chater auf die linke Fahrspur wechselte. Doch dieser bekam dies aufgrund anderer Blickrichtung, nämlich auf sein Display gewandt, gar nicht mit und als er dann zwecks Kurskorrektur und Lagebilderstellung wieder nach vorne schaute und schließlich das Dilemma mitbekam, eine heftige Bremsung einleitete. Dabei verriss das Fahrzeug dann nach links und es ging in die Leitplanke. Schön zu sehen war jedoch, dass noch soviel Verantwortungsbewusstsein vorhanden war, das Smartphone zu schützen, in dem es weiterhin in der Hand gehalten wurde und nicht eine un-sanfte Landung irgendwo im Fahrzeug über sich ergehen lassen musste.

Ich denke, diese Art der Vorfälle werden wir in die kommenden Saison noch sehr viel häufiger zu sehen oder spüren bekommen. Als Motorradfahrer ist man ja gewohnt, mit der Unachtsamkeit anderer Verkehrsteilnehmer zu rechnen. Aber hier kommt eine Bedrohung auf uns zu, die einfach nicht mehr vorhersehbar oder berechenbar ist, es sei denn, man steigt gar nicht mehr auf den Bock auf und meidet künftig den Straßenverkehr, egal in welcher Rolle. Aber wer will / kann das?

Die Verrohung auf den Strassen, die Zunahme von Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgrund des Wissens um mangelnde Kontrollen, all das tritt zunehmends in den Hintergrund, weil die Aufmerksamkeit aufgrund von ablenkender Smartphone-Nutzung während der Fahrt zunimmt.

Was mich jedoch am meisten schockiert ist das Verhalten meiner Mitmenschen in dieser Sache. Als ich obigen Vorfall im meist jüngeren Kameradenkreis erzählte, musste ich schnell erkennen, dass diese überhaupt nicht verstanden, was ich sagen wollte. Für die meisten ist es absolut nichts Schlimmes, wenn man während der Fahrt die eingehenden Nachrichten auf seinem Smartphone liest oder gar welche schreibt. Wo ist denn da das Problem…?

Was ist der Grund für dieses Verhalten? Ist es Ignoranz? Unbedarftheit? Mangelhaftes Situationsbewusstsein?

Wie kann man dem begegnen?

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Textil oder Leder…

…eine Glaubensfrage, soviel habe ich in den vergangenen fünf Jahren als Biker schon mitbekommen. Da wird in Foren bis auf´s Blut argumentiert.

Bevor ich mit dem Fahrtraining in der Fahrschule ab April 2010 anfing, nutzte ich die Wintersaison davor zur Einkleidung. Ich brauchte ja alles: vernünftige Stiefel, Motorrad-hose und Jacke, Handschuhe und Helm, Nierengurt und was man halt sonst noch benötigt.

Fündig wurde ich recht schnell bei BEMO in Rodenkirchen (gibt es heute leider nicht mehr), dort kaufte ich dann nach reichlicher Anprobe eine zweiteilige Textil-Kombination von Büse. Auch der Nierengurt wurde gleich miteingepackt.

Der Helm, ein Schuberth C2 wurde in Bremen bei Tante Louise gekauft, war eine Louis-Sonderedition, da der C2 eigentlich schon durch einen Nachfolger abgelöst wurde. Ich wollte auf jeden Fall einen Klapphelm und er musste unbedingt leise sein. Auch die (ersten) Handschuhe wurde gleich von Louis mitgenommen.

Die Stiefel kamen von Hein Gericke aus Bremen, dort gab es eine Weihnachtsaktion und dies machte dann auch die Daytona Stiefel erschwinglich.

Komplettiert mit der warmen Fliegerunterwäsche ging es dann zu den ersten Motorrad-fahrten. Ich fühlte mich nicht unwohl, musste mich aber dennoch an die „Enge“ gewöhnen, auch das Tragen eines Helmes war total ungewohnt.

Nach einigen Jahren wusste ich nun, was ich wirklich benötige und wollte. Ich verfolgte in vielen Foren die Diskussionen um die „richtige“ Bekleidung. Aber erst die Bilder von einigen Stürzen sowohl im Forum als auch von Kameraden und Bekannten ließen mich dem Thema an sich näher zuwenden. Mein Entschluss war dann, auf Dauer auf Leder umzusteigen. Mittlerweile gab es auch für Tourenfahrer ganz ansehnliche zweiteilige Lederkombinationen guter Qualität zu annehmbaren Kursen.

Eine Atlantis IV oder das entsprechende Gegenstück von Stadler ist sicherlich sehr gut und funktionell, aber die ausgerufenen Preise muss man sich auch leisten wollen. Ich für meinen Teil schaute mich anderweitig um und erwarb in 2012 dann von Tante Louise eine Vanucci Nubuk Lederkombi, die ich dann im Wechsel mit meiner textilen Büse nutzte. Die Nubuk war immer dann gut, wenn es sehr warm und trocken war, sie hatte die TFL-Cool Technik und das bewirkt tatsächlich was. Die Büse war meines Erachtens bei höheren Temperaturen unangenehm, besonders das Aussteigen aus den Sachen. Schweiß und Plastik ist halt keine gute Kombination.

Naja, letztlich fuhr ich aber immer häufiger mit der Büse, die Nubuk wurde irgendwie inner kleiner. 😦
Nachdem ich dann Anfang 2014 das Ziel angesagt hatte, wieder bequem in die Nubuk zu passen und dieses dann auch tatsächlich erreichte, fuhr ich die folgende Saison fast nur noch mit der Nubuk und lernte sie wirklich schätzen. Auch Regenschauer konnten mir nichts anhaben, sie kamen einfach nicht zu mir durch und die Nubuk war recht schnell wieder trocken. Einziger Nachteil, sie verblasste sehr schnell, das anfängliche kräftige schwarz wich immer mehr einem dreckigen dunklen braun. Ich nenne das einfach mal Patina und liebe diese Klamotte dennoch (oder eben deshalb?).

Bei einer Tour mit Frauchen und einem Kumpel machten wir wieder Wassererfahrung und ich musste feststellen, dass der Dauerregen Einlass im rechten Hosenbein bekam, nämlich genau dort, wo der Reißverschluss der Belüftung war, sammelte sich das Wasser. Nicht tragisch, aber dennoch…

Das brachte mich dann dazu, mir den Markt nochmals anzuschauen. Mittlerweile gab es ja schon wasserdichtes Leder, hydrophobiertes Material, was das Wasser aussperrt und auch nicht aufsaugt. Ich wurde schließlich wieder bei Büse fündig und erwarb dann eine der letzten noch verfügbaren Büse Nogaro Hosen und Jacken bei Tante Louise, bevor die dort Büse Leder aus dem Sortiment nahmen.

Ich für meinen Teil habe mich also nun endgültig für Leder entschieden, ich halte es für abriebfester im Falle eines Sturzes, es ist sehr bequem, sieht dazu noch gut aus und…

…es sorgt dafür, dass ich mein Gewicht immer schön beachte und unter Kontrolle halte. 🙂

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Warum plötzlich Motorrad?

Da habe ich fast das halbe Leben Angst vor Motorrädern, stets den Spruch „Ich setze mich nur dann auf so ein Ding, wenn der Zündschlüssel weit weg ist“ angebracht und mache dann 2010, mit 47 Jahren meine Scheinerweiterung für Motorräder. Wie kann das angehen, was ist passiert?

Nun, nachdem meine damalige neue Partnerin ihrerseits den Wiedereinstieg in das Motorradfahren nach über 20 Jahren just kurz vor unserem Kennenlernen begonnen hatte, wollte sie diese (neue) wiedergefundene Freiheit natürlich auskosten. Da wir aber auch viel Zeit gemeinsam verbringen wollten, fuhr ich also mit dem Auto dann oftmals hinterher. Und da kamen dann die ersten Gedanken, wie schön es doch sein müsste, zusammen mit dem Bike auszufahren. Außerdem ist es wirklich ziemlich uncool, wenn am Bikertreff mein Mädel ihren Helm abnimmt, die blonde Mähne ausschüttelt und ich daneben dann aus der Dose steige. 😦

Also wurde der Gedanke nach einem eigenen Motorrad immer konkreter, im August 2009 bekam ich eine wirklich sehr gut erhaltene Honda CB 750 Sevenfifty angeboten, komplett mich Halbschale und Koffersatz. Genau 10 Jahre alt und erst knapp 23.000 Kilometer auf der Uhr. Ich kaufte dieses tolle Motorrad und Ende 2009 führte mich dann mein Weg zur Fahrschule nach Brake. Es mussten die Pflichtstunden theoretischer Unterrichtung im Winterquartal hinter mich gebracht werden, was sich teilweise als echte Herausforderung darstellte. Einerseits wurde mir nach dem ersten Abend sehr schnell klar, dass über knapp 30 Jahre als Autofahrer im Strassenverkehr meinen Wissens- und Kenntnisstand über das Regelwerk doch einige Änderungen erfahren hatte, die völlig an mir vorbei gelaufen sind. Ein erster Fragebogen, ausgefüllt mit dem Gefühl der Gelassenheit (weiß ich doch alles schon, was soll denn der Mist), wurde mit über 30 Fehlerpunkten geahndet.
Andererseits war es eine Herausforderung, den jugendlichen Mitschülern des Abends nicht permanent Einhalt gebieten zu wollen. Besonders die Mädchen unter den Mitschülern schnatterten im Dauerton, egal wie bemüht der Fahrlehrer sich vorne um die Wissensvermittlung engagierte. Nach solchen Abenden war ich fertig, brauchte nur noch Ruhe!

Daraufhin hatte ich mir via Honda Bikeschein im Internet kostenlos alle amtlichen Fragen in den verschiedensten Auftretungsvarianten reingezogen. War eine sehr gute Sache, um sämtliche amtlichen Fragebögen themenbezogen zu erlernen.

Anfang Februar 2010 dann zur Prüfung zum TÜV nach Rodenkirchen und dort zusammen mit 6 anderen Prüflingen nervös auf den Prüfer wartend. Als er endlich kam, schnell einen PC ausgesucht und den Erläuterung zur Prüfung gelauscht, die Fragen beantwortet und…
…Shit, ich bin schon fertig, sind aber erst 4 Minuten rum. Also nochmal alle Fragen von vorne beantworten, dauerte allerdings wieder nur knapp 5 Minuten. Was soll´s, mehr kann ich nicht mehr machen, entweder es reicht, oder ich muss noch mal ran. Abgabe. Und es reichte.

Leider war das Frühjahr 2010 nicht so früh wie in den vergangenen Jahren, noch Anfang April gab es Schnee. Als das Wetter dann freundlicher und vor allem wärmer wurde (der Fahrlehrer wollte nicht unter 7 Grad Temperatur) konnte das Fahrtraining beginnen. Hierbei lernte ich die Wesermarsch recht gut kennen. Anfänglich musste ich auf einer Suzuki GS500 fahren, ein ganz übles Ding. Total verschrobene Sitzposition und der Motor wollte immer auf Drehzahl gehalten werden. Nach zwei Trainingsfahrten konnte ich dann auf eine Honda CBF 600 umsteigen, die brauchte ich ja auch, um später „offen“ fahren zu können. Auf der Honda fühlte ich mich gleich sehr gut. Aber trotzdem brauchte es einige Stunden um mit dem Motorrad „eins“ zu werden. Als ich schon fast nicht mehr daran glaubte, dass Motorradfahren wirklich so viel Spaß macht, platzte dann der Knoten: Die Honda und ich wurden ein Ganzes und fortan machte das Biken wirklich eine Mordsgaudi.

Am 3. Mai 2010 dann war Tag der Abrechnung, die praktische Prüfung stand an. Da habe ich in meinem Leben schon so viele Prüfungen machen müssen, meinen Flugzeugführer-schein muss ich sogar jährlich verlängern, und trotzdem war ich mächtig nervös als mich der Prüfer dann begrüsste. Aber es ging alles gut, die Prüfung war sogar recht angenehm und ich bekam dann auch meinen neuen Führerschein ausgehändigt. Noch am gleichen Tag habe ich meine eigene Sevenfifty ausgeführt und viel Spaß dabei gehabt. Allerdings auch mächtig viel Respekt, der sich nun anstelle der ursprünglichen Angst eingestellt hatte…

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Bloggerstadium beginnen

Lernen, ein Blog aufzusetzen…

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